Besondere Förderung
Wie stellt man sich eine zweite Realklasse vor, wenn sie vollständig im Klassenzimmer versammelt ist und die Lehrperson noch fehlt?
Ein Tohuwabohu oder Zettel, die im Zimmer herumfliegen sucht man hier vergebens. Als die Lehrperson in die Klasse kommt, brüten die Schülerinnen und Schüler bereits über ihrer Arbeit. Und dies notabene, bevor die Schulglocke den Start der Lektion ankündigt.
In der beobachteten Lektion findet Atelierunterricht statt. Die Schülerinnen und Schüler wissen genau, welche Arbeiten sie in welchem Zeitraum zu bewältigen haben. Die Lehrpersonen stehen beratend zur Seite. Selten sitzen sie am Pult, meistens bewegen sie sich im Klassenzimmer, in welchem in einer angenehmen Lautstärke an verschiedenen Aufträgen auf Papier oder auf dem iPad gearbeitet wird. In beschrifteten Kisten befinden sich Unterlagen oder können bearbeitete Aufgaben zur Korrektur abgegeben werden. Ein Schüler verlässt das Klassenzimmer, damit er im Nebenraum mit einem Lehrbetrieb telefonieren kann, um seine Schnupperlehre zu organisieren. Die Klassenlehrperson verlässt ebenfalls das Schulzimmer, um einen arbeitenden Schüler im Flur zu unterstützen. Der Flüsterton im Zimmer bleibt trotzdem erhalten und sorgt für eine lernförderliche Atmosphäre.
Ein zentrales Element des Atelierunterrichts ist das Lerncoachinggespräch. Das Beiwohnen an einem Gespräch mit einer Schülerin der 3. Bezirksschule ist beeindruckend. Gemeinsam mit der Lehrperson wird das persönliche Lernverhalten reflektiert, diskutiert und Lösungen erarbeitet. Was stresst im Moment? Welche Arbeitsweisen waren zielführend? Was möchte sich die Schülerin vornehmen? Wie könnte das Vorhaben angegangen werden? Solche und weitere Fragen werden gemeinsam beantwortet. Dabei ist die Lehrperson keineswegs die Besserwisserin; sie leitet an, steht beratend zur Seite und bestärkt die Schülerin in ihrem Vorhaben und in ihrem eigenverantwortlichen Umgang mit der Lernorganisation. Der freundliche Umgangston und das Schmunzeln in den Gesichtern lassen auf eine vertraute Zusammenarbeit und einen intensiven Beziehungsaufbau schliessen. Gerade für Jugendliche ist dies ein wichtiger Nebeneffekt mit unschätzbarem Wert.
Egal, ob die Schülerin in Zukunft eine Berufslehre absolvieren oder eine weiterführende Schule besuchen wird. Die im Lernheft sorgfältig dokumentierten Erfahrungen und Erkenntnisse werden ihr auf jeden Fall auch in der Zukunft sehr dienlich sein.
Daniela Schödler
Projektleitung Besondere Förderung





