Der Wald als DaZ-Klassenraum und DaZ-Motivator

«Deutsch als Zweitsprache», das klingt für viele erst einmal trocken und langweilig. Dass diese Förderstunden aber auch vielseitig und bunt gestaltet werden können, zeigt sich am Beispiel der Kirchdorfer Erstklässler, die mit ihrer Klassenlehrperson und mir als DaZ-Lehrperson regelmässig den Wald besuchen.

Alle zwei Wochen geht es am Feld- und Waldrand entlang, am Gartenbad vorbei in den Töbeliwald. Die Klassenlehrperson weist die Mädchen und Knaben darauf hin, dass wir uns hier nun bei den Tieren daheim befinden. Das bedeutet, dass wir uns der Natur gegenüber respektvoll verhalten, schreien nicht und reissen keine Blätter und Zweige ab.

Im Freien sind die Kinder gelöst - und ohne es zu spüren, reden sie unverkrampfter miteinander und mit uns Erwachsenen. Unter diesen Umständen fällt ihnen auch das Lernen leichter und es geschieht (beinahe) spielend.

Aber was hat das mit DaZ zu tun? Im Wald sind neue Buchstaben, Wörter und Sätze nicht nur graue Theorie auf dem Papier, sondern hier gibt es viele spannende Dinge zu bestaunen und spüren, zu schnuppern und zu erleben.

 

Zusammen entdecken wir Buchstaben an Baumstämmen, hören Tierlaute und fragen uns, wer oder was das Rascheln im Unterholz wohl verursacht hat.

Der Wortschatz der Kinder wird durch gehörte Geschichten zu den Waldbewohnern, den Pflanzen und Tieren, deren Behausungen, Vorlieben und Speiseplan erweitert.

Sie lernen neue Ausdrücke und Bezeichnungen kennen und zu bereits bekannten Wörtern hören, sehen und erfahren sie viel Neues.

Ein Beispiel aus der Mathematik ist ausserdem das Thema «Formen». Zuerst lernen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Formen und deren Eigenschaften kennen und zu benennen (Kreis=rund; Quadrat=vier Ecken und vier gleichlange Seiten). Im Anschluss suchen sie zu zweit oder dritt Material, welches die Natur hergibt und legen die kennengelernten Formen auf dem Waldboden aus.

So hinterlässt jede einzelne Waldlektion einen bleibenden Eindruck bei den Sechs- und Siebenjährigen und sie bringen einen prall gefüllten Rucksack «mit erlebtem Wissen» mit nach Hause.

Bei anschliessenden Reflektionen oder Lernwerkstätten kann das Gelernte vertieft werden und alle freuen sich auf die nächste Lektion im lebendigen Klassenraum, dem Töbeliwald.

 

Friderike Saiger